Gemeinde Schefflenz

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Vergabe der Weiderechte in Unterschefflenz
Unter den Nummern 132 bis 135 enthält das Protokollbuch der Gemeinde Unterschefflenz nur jeweils einen Tagesordnungspunkt, die Handhabung der Schäferei auf der Gemarkung. Zu den Sitzungen waren jeweils auch die Besitzer der Wiesen bzw. die Güterbesitzer eingeladen. Nachdem in der ersten Sitzung am 20. Dezember 1900 ein grundsätzlicher Beschluss dazu gefasst worden war (Nr. 132), findet sich bis zum 3. November 1917 in dem Protokollbuch kein weiterer Eintrag, auch nicht zu einem anderen Thema.
Das Protokoll aus dem Jahr 1900 hat den folgenden Wortlaut:
„In heutiger Sitzung kam folgendes zur Verhandlung:
Da von Seiten verschiedener hiesiger Gemeindebürger als zweckmäßig erachtet wurde, während der Wintermonate eine Herde Schafe auf den Wiesen hiesiger Gemeinde zu treiben und zu weiden und demgemäß bei hiesigem Gemeinderat auch der Antrag gestellt wurde, Schritte zur Ausführung des gedachten Vorschlags zu thun, hat man unterm heutigen durch Beschluß des Gemeinderaths sämtliche Güterbesitzer zusammen berufen und diesen durch Herrn Bürgermeister Keller den Sachverhalt dargestellt. Nachdem der Vorsitzende die Sache hinreichend erörtert hatte und die Mitglieder der Versammlung vollzählig erschienen waren, wurde die Beratung geschlossen und folgende Frage zur Abstimmung gebracht: `Stimmt die Versammlung dem Antrag mehrerer Bürger bei, wonach eine Herde Schafe während des Winters auf den Wiesen hiesiger Gemeinde getrieben und geweidet werden sollen?´ Das Ergebnis der Abstimmung war, dass mit Ausnahme von 18 Stimmen sämtliche Anwesende für die Ausführung obigen Antrags stimmten.
Es ist somit Beschluß der Versammlung, der Ausführung obigen Antrag stattzugeben.
Die Versammlung äußerte ferner noch den Wunsch, der Gemeinderat möchte in Bälde mit einem geeigneten Schäfer behufs Ausführung obigen Beschlusses ins Benehmen treten.“
Es folgen die Unterschriften des Bürgermeisters und der Gemeinderäte. Wer der „geeignete Schäfer“ war, wird leider nicht erwähnt. Vielleicht war es aber von Anfang an derjenige, der im Jahr 1917 den Gemeinderat um die Bewilligung der Winterweide vom November bis März, im Jahr 1918 um die „provisorische Sommerschafweide“ und für den Winter 1918/19 noch einmal um die Winterweide nachgesucht hat: Karl Reichert IV. Reichert war Bürger von Unterschefflenz. Seine Herde umfasste 150 Tiere. Die Anträge wurden jeweils genehmigt. Reichert musste für die erste Winterweide drei Mark pro Tag bezahlen, die folgende Sommerweide kostete pauschal 700 Mark, die letzte Winterweide 300 Mark. Darüber hinaus musste der Schäfer das Pferchgeld (das er von denjenigen Güterbesitzern bekam, auf deren Grundstücken die Schafe nachts jeweils eingesperrt wurden und die dadurch den Boden düngten) der Gemeindekasse überlassen. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pferche öffentlich versteigert.